2014-08-11 20.45.17

Die Nachbarn

Morgens um 4, die Sonne geht gleich auf. Ich habe „Senile Bettflucht“, also wo bekomme ich jetzt einen Cappu her ? Und vor allen Dingen, das Wetter ist in diesem Sommer sehr, sehr freundlich zu uns Motorradfahrer. Also angezogen und rauf auf das Bike. Die neue BMW GS 1200 Adventure (die alte „Alte“ steht zum Verkauf) verführt einfach sich drauf zusetzen und einfach los zu fahren. Wohin? Wie wäre es mal mit Italien, da war ich schon lange nicht mehr. Meine Frau dreht sich nochmal im Bett um und ich drehe den Gasgriff ein bisschen auf, damit die gesamte Nachbarschaft auch wirklich mitbekommt, dass ich das Motorrad starte. BMW hat da so eine kleine Klappe eingebaut, die automatisch den Durchmesser des Sammelrohrs verändert, beim Starten ist das Ding AUF. Sind die Augen der Nachbarn auch, lach.

2014-08-01 20.51.48

Himmel über Steinhöring

Die Sonne lugt schon am Horizont, also Italien hört sich als Zwischenstopp zum Frühstücken sehr gut an. Eine Hinfahrt ist so 195 km und dauert laut Navi Anzeige 2:30h. Übrigens lügen Navi’s bei der Routenplanung, da noch keine Geschwindigkeits-Informationen zur Verfügung stehen.  Und die Italiener machen eh nicht vor 07:00 auf. Rauf auf die Landstraße und die Heidenau K60 Scout erst mal aufgewärmt. Kurz hinter Rosenheim geht’s auf die Autobahn und dann ist der Tempomat dran. 135 km/h und das Ding einfach laufen lassen, es ist ja noch früh am Morgen und es sind fast keine Fahrzeuge unterwegs. Anscheinend noch alle beim Frühstück, ich auch gleich. Aber bis dahin hab ich noch Zeit, ist echt erstaunlich welche Informationen mein Navi bereithält. Sonnenaufgang ist um 08:02 im August, aber am Himmel kann ich schon die ersten Lichtstreifen sehen. Mautsticker ist schon am Bike, der Heidenau Reifen macht keine Probleme auf der Autobahn, ist ja bis 190 km/h zugelassen. Aber unsere österreichische Rennleitung hat dem bei 130 einen Riegel in Form von Abschnittskontrollen vorgeschoben.

B37_Section_Control_1

„B37 Section Control 1“ von DonatelloXX. Das Original wurde von DonatelloXX in der Wikipedia auf Deutsch hochgeladen – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Feuerst.(Original text : Selbst fotografiert). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:B37_Section_Control_1.jpg #mediaviewer /File:B37_Section_Control_1.jpg

Ist schon ECHT FIES, da wird nicht eine Radarfalle aufgestellt, die man mit seinem Radarwarner ja umgehen könnte. Nein, es wird auf einer ganzen Strecke – so um 2 km Länge – per Videoüberwachung gemessen. Aber vielleicht klärt das der Text aus Wikipedia besser. O-Ton : „Bei der so genannten Abschnittskontrolle wird an mehreren Anlagen entlang der Straße das Kennzeichen mit der genauen Uhrzeit festgehalten. Daraus lässt sich die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Messpunkten ermitteln, indem man deren Abstand durch die Zeitdifferenz der jeweiligen Durchfahrten teilt. Somit kann festgestellt werden, ob die durchschnittliche Geschwindigkeit über der im Abschnitt zulässigen lag.“ Na ja, dafür hat die GS ja jetzt einen elektronisch geregelten Tempomaten und das Navi sagt, ich fahre nicht schneller als 135 km/h. Wenn die Rennleitung meint, sie müssen dafür den Apparatschik in Gang setzen, be my guest.
Kaum in Innsbruck wird der Tank noch mal schnell in I-Ost neben der Autobahn aufgefüllt. Der Tank ist mit 30 Liter ein bisschen kleiner als bei der alten Adventure, aber irgendwie komme ich mit dem neuen Motor bei mehr Leistung weiter als vorher. Das kann natürlich täuschen weil ich nicht der Statistiker bin, aber so vom Eindruck her läuft die neue Adventure mit weniger Sprit durch die Gegend. Und der Motorlauf ist auch ruhiger, sagen jedenfalls meine Hände. Meine Frau sagt, die hintere Sitzbank ist kleiner und härter aber immer noch sehr angenehm. Na ja, sie muss es ja wissen, hat ja schließlich fast 6 Jahre auf dem hinteren Sitz der alten Adventure gesessen. Ich habe keine Ahnung wie, aber das Befahren der Brenner-Autobahn während die Sonne hinter den Bergen aufgeht erzeugt wunderbare Farbspiele und die klare Luft lässt die andere Talseite sooo nah aussehen.

2014-08-12 10.16.08

Hinterrad Heidenau K60 Scout in 170er Breite

Da kann ich meine Gedanken mal kurz über die Reifen Problematik schweben lassen. Ich bin eigentlich kein Fan vom TKC 80, einfach weil der Reifen so „holprig“ abrollt. Und Heidenau hat den K60 Scout jetzt auch in der 170er Größe. Also kam der originale Reifen runter und die K60 drauf. Tja und ich muss sagen: das Fahrverhalten hat sich gegenüber dem altem (150er) K60 nicht sehr viel geändert. Klar sind die Profil-Rillen jetzt ca. 15% breiter, aber das macht nichts, denn in der Mitte der Lauffläche ist die Gummifläche un-unterbrochen. Also ein Straßenreifen, mit dem man auch abseits der Straße vorankommen kann. Na ja, auf der Autobahn verhält sich der Reifen eigentlich sehr unauffällig, ganz wie es sein soll.

Kaum bin ich in Italien wird die Geschwindigkeit auf der Autobahn sofort höher. Haben die keine Angst vor den Strafen oder wird hier nicht überwacht ? Na jedenfalls häng‘ ich mich um 06:30 an einen Italiener, der mit 160 Sachen den Berg nach Sterzing runterknallt. Wenn das schief geht, dann bin ich meine Urlaubskasse und wahrscheinlich auch mein Bike los. Die Italiener sind da ja ein bisschen härter als die deutsche Rennleitung. Da fällt mir ein, ich riskiere ja eh gerade mein neues Motorrad, denn die Reifen haben eine M&S Kennung und weil der Speedindex niedriger ist als die Höchstgeschwindigkeit des Motorrads (Index 190, Bike V-Max 217) könnten mir die Italienischen Jung’s das Bike einziehen. Na gut, dann bleibe ich halt nicht stehen wenn die Kelle kommt, dann wird sich raus stellen ob sie mich bis zur Grenze wieder einholen können (Entwarnung, nix passiert). Aber es hinterlässt ein UNGUTES Gefühl. Also aufpassen in 2015, mit welchem Motorrad-Reifen man nach Italien fährt. Die fackeln nicht lange.

Sterzing Pizza

Screenshot von Google Streetview

Sterzing: direkt neben dem Kreisverkehr gibt es eine kleine Holzhütte, die Pizza und Cappuccino verspricht. Also nix wie hin. In der Sonne fange ich damit an, meine Route über die Berge zurück nach München zu planen. Ich bin jetzt 2:12 h unterwegs und es waren genau (bis hierhin) 190 km. Und das alles mit Tanken, Maut Ticket und Geschwindigkeitsbegrenzung, nicht schlecht im Durchschnitt:  86 km/h –  sagt jedenfalls der Bordcomputer der Adventure. Der Bordcomputer hat noch mehr sinnvolle und auch sinnlose Informationen parat. Na ja, man muss nicht alles wissen.

Wie komme ich jetzt wieder zurück ?? Timmelsjoch wäre nicht schlecht. Also auf nach San Leonardo und dann über das Timmelsjoch in’s Ötztal. Weiter nach Reutte und um den Plansee nach Hause. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

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