Bremsen ohne Angst

Hab vor kurzem einen Beitrag in der PS-Online gelesen, es ging um die Bremse bei einer NICHT elektronisierten Kawasaki Z1000.

…..Allerdings wurden die Ohren mörderheiß, als ich einmal bergab eine scharfe RechteP1020220 nicht mit jenem Respekt begrüßte, den sie verdiente. Die Doppelanker der Kawasaki Z 1000,  bremste man am besten mit der Eleganz und Disziplin eines englischen Lords: Also zuerst nur mit leichtem Druck am ­Hebel, damit der erste Impuls am Vorderreifen, der durch das Verschieben des Gewichts nach vorne entsteht, nicht gleich die Haftung abreißen lässt. Dann erst wird richtig zugepackt und die volle Bremswirkung abgerufen. So ­habe ich das gelernt. In der Zeit, in der Elektronik zwar in Casio-Digitaluhren und Tamagotschis mörderwichtig war, nicht aber als Fahr- bzw. Bremshilfe für Motor­räder, spielte eine sauber ein­geübte und im Sinne des Bewegungs­ablaufs automatisierte Bremstechnik beim Herbrennen eine große Rolle. Denn eines war klar: Wer sich beim Ankern auf die Klappe legte, erreichte den Gipfelwirt definitiv nicht als Erster…..

Genau so geht das. Ich versuche bei dem Motorrad Sicherheits Trainings ein visuelles Bild in die Aktion „wie bremse ich richtig mit einem NICHT-ABS Bike“zu bringen. P1020202Ich versuch‘ das hier einmal zu beschreiben. Stell Dir eine geschälte Orange vor. Dann nimmst Du diese in Deine Hand und presst den Saft heraus. Jetzt für die Schlaumeier, ist Deine Hand zu klein für die ganze Orange, nehme nur einen kleineren Teil. Am Anfang musst Du nur leicht drücken um den Saft heraus zu bekommen und dann am Ende wird es immer schwieriger und Du musst immer mehr pressen, damit noch was kommt. Dann endlich am Ende musst Du ein bisschen loslassen, weil sonst das Fruchtfleisch zwischen Deinen Fingern hervor presst. „SQUEEEEZZZZ“

Na, das ist doch schon alles. Erst musst Du Deine Bremse leicht anziehen, damit die dynamische Gewichtsverlagerung einsetzt und mehr Druck auf das Vorderrad bringt. Dann mit einem -in langjährigem Training- anerzogenen Gefühl immer stärker am Hebelchen ziehen, bis der Reifen seine Haftgrenze erreicht hat. Das wird zumindest bei den meisten Reifen und auf trockener Straße mit einem Geräusch angekündigt, das man fast als Wimmern bezeichnen könnte.

Zwischenspiel: Es quietscht, wenn ein Reifen blockiert. Auf der Asphalt-Straße. Wenn man  sich aber bei Verfolgungsjagden im Fernsehen einen Ausritt in unbefestigte Strecken ansieht, dann kann man zumindest in alten US-Fernseh-Serien hören, dass es auch im Dreck quietscht. Ist natürlich totaler Blödsinn.

Übrigens kann ein blockierender Reifen nur einen Bruchteil der Bremsleistung auf die Straße bringen, die ein Reifen schafft, der „gerade noch“ rollt.
Hier mal die mehr oder weniger wissenschaftliche Erklärung.

KURZE VERSION: Ein Reifen hat die Eigenschaft, die maximale Bremskraft nicht beim Blockieren, sondern bei etwa 10-15% Schlupf zu erreichen. Da der Reifen während des kompletten Bremsvorgangs nicht steht (außer bei niedrigen Geschwindigkeiten), bringt das Fahrzeug mit ABS eine höhere Verzögerung auf, als ein Fahrzeug ohne ABS und blockierten Rädern. (JA es gibt Ausnahmen. Schnee, Off-Road, usw.)

LANGE VERSION: Wird ein Rad im freien Lauf abgebremst, so bedeutet das eine Verkürzung seiner eigenen Laufstrecke gegenüber P1020243der Fortbewegungsstrecke des Fahrzeuges. Es arbeitet also durch verzögernde Reibung mehr oder weniger stark gegen die Fortbewegung des Fahrzeuges und zwar umso besser, je günstiger die Bodenhaftung des Sohlenprofils der Reifen ist. Das Verhältnis zwischen Rollstrecke des Rades und der Fortbewegungsstrecke des Fahrzeuges pro gleicher Zeiteinheit wird als „Schlupf“ bezeichnet und zumeist in Prozent (%) angegeben. Bremswirkung kann nur erreicht werden, wenn dieser Schlupf größer als Null ist, sie erreicht nach eingehenden Messungen bei ca. 20 % Schlupf ihre maximale Wirkung, die dann gegen 100 % Schlupf (Blockierung der Reifen) wieder abnimmt, jedoch nicht Null wird, da bekanntlich auch blockierte Reifen eine Bremswirkung entwickeln.  Gefunden bei „Unfallaufnahme Info

Was ist ein ABS ? Eigentlich ist es ein : „Automatischer Blockierverhinderer“ (ABV)
Jüngste Studien des ADAC gehen in Hochrechnungen von 160 nicht getöteten Motorradfahrern pro Jahr aus und bis zu 6.900 Motorrad-Unfälle mit Verletzungen hätten im Jahre 2009 verhindert werden können, wenn die Fahrer ABS an Bord gehabt hätten. Gefunden bei „Wikipedia

OK, aber mal zurück in die Wirklichkeit. Es gab in meiner Motorradfahrer Vergangenheit einige nicht P1020267unspektakuläre Abflüge mit dem Bike, weil ich das mit dem Bremsen noch nicht soo 100% drauf hatte. Mittlerweile sind ziemlich genau 37 Jahre Motorradfahren auf meinem Buckel (JA, auch teilweise im Winter) und da hatte ich Zeit und Gelegenheit das Bremsen in sehr vielen verschiedenen Situationen mehrfach zu üben. Wie gesagt, ist manchmal nicht so ausgegangen wie geplant, aber die Erfolgsquote wurde im Laufe der Jahre immer besser. (Und dann kam Polly, lach, nee das ist ein Insider Witz.) Und dann kam das erste Motorrad mit einem ABS, eine Yamaha FJ 1200 ABS. Wie cool war das Ding denn. Einfach atemberaubend, was man mit der Bremse von dem Eisen Stuhl alles machen konnte. Da gab es mal eine Situation in Frankreich, aber das ist eine weitere Geschichte. Such mal nach „Jumbo-Landung“, das wird der Titel werden, denke ich.

Na jedenfalls sind seitdem mehr ABS Motorräder unter meinem Hintern gelandet, als NICHT-ABS Fahrzeuge. Heute mit knapp 56 würde ich mir ein Fahrzeug OHNE ABS einfach nicht mehr kaufen. Kommt nicht in die Tüte. P1020294Klar fahre ich immer noch eine Suzuki GSX 1400 (ohne), aber die gab es damals einfach nicht MIT.  Die Triumph Rocket hat einen ABS-geregelten Anker und das ist bei einem Gewicht von 370 Kg auch wirklich hilfreich. Jedenfalls packen die Bremsen der Rocket III Roadster ziemlich gut und die Verzögerung ist mit der Ausrüstung auch verständlich.  Vorne 2x320mm Bremsscheiben mit je 4-Kolben-Schwimmsattel, hinten 316mm Bremsscheibe mit 2-Kolben-Schwimmsattel.

Bei den Motorrad Sicherheit Trainings kommen die ABS Fahrer/innen so gut wie immer nach ein bis zwei Versuchen fast auf den theoretisch möglich kürzesten Bremsweg. Da sind sicherlich immer noch ein paar cm drin, aber nach so kurzer Zeit und mit guter Anleitung ist der ABS Fahrer einfach schneller und sicherer beim Bremsen.
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